Microsoft und Spyware - Feind oder Freund?
Microsofts AntiSpyware empfiehlt, die Adware Clarias im Rahmen der Spyware-Entfernung auf dem Rechner zu belassen. Das macht es schwierig, den Software-Hersteller hinsichtlich seiner Position zu Spyware einzuordnen.
In den letzten Tagen wurde in verschiedenen Medien kolportiert, dass Microsofts Antispyware seit Neuestem die Adware Clarias bevorzugt behandele. Bisher empfahl die Beta-Version der Software die Entfernung aller Claria-Komponenten vom befallenen PC. In der neuen Version der "Microsoft AntiSpyware Beta" wird Claria dagegen bei der Spyware-Entseuchung per Voreinstellung "ignoriert".
Wie es in Blogs und auch in Medienberichten weiter hieß, steht dies möglicherweise in Beziehung zu einem Exklusivbericht der New York Times, wonach Microsoft sich in Verhandlungen mit Claria befinde. Bei diesen Verhandlungen soll es um die Übernahme des Unternehmens zum Preis von 500 Millionen Dollar gehen.
Interessant ist nun, wie Microsoft auf diese Situation reagiert. In einer der eher seltenen Stellungnahmen dieser Art verweist das Unternehmen auf den Beta-Status der Software, auf die eigene, noch fluide Definition des Spyware-Begriffs sowie auf eine Bitte Clarias um Re-Evaluation der
Adware. Dieser Bitte sei man nachgekommen. Ein konkretes Bewertungsprofil, das sich für Claria anhand der Adware-Definition Microsofts ergeben sollte, wird leider nicht vorgestellt.
Auffällig unerwähnt bleiben in diesem Zusammenhang aber auch die Gerüchte über die Übernahme Clarias durch Microsoft. Diese Gerüchte wurden in den meisten Berichten mit der Neueinstufung Clarias durch die AntiSpyware in Verbindung gebracht.
Doch während Microsoft sich veranlasst sieht, Berichte über die veränderte Routine eines Beta-Produkts zu dementieren, werden die wesentlich bedeutsameren Übernahmegerüchte einfach ignoriert. Auch wenn diese Gerüchte von einer der wichtigsten Tageszeitungen der USA ausgestreut wurden. Man fragt sich, wieso Microsoft dies so wenig kümmert.
Der Harvard-Jurist Ben Edelman, einer der besten Szene-Kenner im Bereich der Adware und
Spyware, weiß darauf auch keine Antwort. Ihm ist bei eigenen Tests nur aufgefallen, dass Microsofts AntiSpyware keineswegs nur die Claria-Produkte mit der Handlungsempfehlung
"Ignore" versieht. Er will in Kürze einen eigenen Bericht darüber verfassen, welche weiteren Adware- und Spyware-Komponenten Microsoft inzwischen für vernachlässigbar hält.
Denn jenseits aller juristischen Spitzfindigkeiten und geschäftlichen Ränke macht Edelman eine ganz praxisbezogene Feststellung: Welcher PC-Techniker würde es wohl seinem Kunden empfehlen, eine Infizierung mit einer Adware oder Spyware zu ignorieren? Vor allem, wenn diese Software nur dazu dient, den Benutzer mit noch mehr Werbung zu beschicken, ohne gleichzeitig irgend einen nennenswerten Vorteil zu bringen? Das würde mit Sicherheit kein Techniker tun, wohl aber Microsoft.
Einen Zusammenhang zwischen den Übernahmegerüchten und der veränderten Claria-Einstufung mag Edelman aber nicht erkennen. Er weist vielmehr daraufhin, dass die Veränderungen an der Beta-Software bereits Ende März erfolgten, also lange vor dem Bericht der New York Times. Allerdings lässt sich daraus auch nicht ableiten, dass Microsoft keine Übernahmepläne hinsichtlich Clarias hegt.
Edelman meint zu diesem Thema lediglich, dass er ein bewusst inszeniertes Informationsleck seitens Microsoft für die wahrscheinlichste Erklärung hält. Man habe in Redmond lediglich einen Versuchsballon steigen lassen, um die Resonanz der Öffentlichkeit zu testen.
Doch auch da stellt sich die Frage, wozu der ganze Aufwand dienen soll. Geht es am Ende doch nur darum, eine legitime Anwendung für Spyware zu finden? Anwendungszwecke für solche Software-Produkte gäbe es schließlich genug, auch jenseits der Werbung. Ganz allgemein dient Spyware ja dazu, die Handlungen des Anwenders auf dem PC zu beobachten und diese Informationen an den Hersteller der Software zurück zu liefern.
Das lässt viele Einsatzbereiche zu. Wie wäre es beispielsweise mit einer Software, die mit Zustimmung der Anwenders (per EULA-Klick) auf den PCs von 40 Millionen Tauschbörsianern installiert wurde? Eine Software, die in der Lage ist, hinsichtlich der Mediennutzung und des Digital Rights Managements das Anwenderverhalten zu protokollieren?
Solche Informationen wären für Marktforscher wie Rechteinhaber sicher gleichermaßen interessant. Und möglicherweise hat Microsoft gemeinsam mit Claria gerade dieser Interessentengruppe etwas zu bieten.
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